Peronospora Plasmopara viticola
Krankheitsbild und Schadensausmaß Die Krankheit wurde 1878 aus Nordamerika nach Europa (Südfrankreich) eingeschleppt. Ende Mai bis September
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Durch Peronosporabefall kann es, wenn bei anhaltend feuchter Witterung die Rebe nicht rechtzeitig mit Fungiziden geschützt wird, zu sehr starkem Blatt- und Traubenbefall und damit zu schweren Ertragseinbußen kommen. Früher Blattverlust schwächt die Reben, führt zu einer schlechten Holzreife und erhöht damit die Winterfrostempfindlichkeit. Winter Der Pilz überwintert in Form von Dauersporen in abgefallenen Rebblättern.
Frühjahr (Zweite Maihälfte oder später) Aus den Dauersporen (so genannten Oosporen) entwickeln sich im Frühjahr die ersten Keimbehälter (Primärsporangien) mit den Wintersporen. Der Reifevorgang wird von der Temperatur, vor allem aber von den Niederschlägen beeinflusst. Je feuchter die Monate März und April, desto früher und je trockener diese Monate, umso später ist die Reifung der Oospore möglich.
Voraussetzungen für die Primärinfektion (= Erstinfektion) sind
Zoosporen, die auf der Unterseite eines nassen Rebblattes oder auf einen anderen grünen Rebteil landen, schwimmen aktiv mit Hilfe zweier Fortbewegungsorgane (so genannten Geißeln) sofort in Richtung der nächsten Atmungsöffnung. Sobald sie diese erreicht haben (die Schwärmzeit dauert wenige Minuten bis zu einem Tag), verlieren sie die Geißeln, kapseln sich ein und senden anschließend einen Keimschlauch ins Innere der Atmungshöhle. Sobald der Pilzfaden mit Hilfe spezieller Saugorgane im Stande ist sich aus den Zellen des Rebblattes zu ernähren, ist er von der Blattnässe unabhängig und kann so auch bei trockenem Wetter ungehindert seine Entwicklung fortsetzen. Primärinfektionen finden nur in einer geringen Anzahl (meist auf bodennahen Blättern) statt. Ein wirtschaftlicher Schaden entsteht nur in Ausnahmefällen. Sie ist aber die Voraussetzung für weitere Sekundärinfektionen. Diese können eine weit größere Menge an Zoosporen freisetzen, wenn entsprechende Bedingungen für die Entwicklung gegeben sind. Ausstöße von Zoosporen aus den Primärsporangien können im Frühjahr und Frühsommer öfter stattfinden. Allerdings haben spätere Primärinfektionen, sobald gleichzeitig auch Sekundärinfektionen möglich sind, wegen ihrer geringen Zahl an beteiligten Zoosporen keine praktische Bedeutung mehr.
Sekundärinfektionen sind möglich wenn:
Anfällige Rebteile (junge Blätter ab 2 cm Durchmesser, Triebspitzen, Geiztriebe, Ranken, Gescheine, junge Beeren bis zur Erbsengröße und ihr Stielgerüst) vorhanden sind. Ältere Blätter sind für den Pilz wenig attraktiv - reifende Beeren sind ab Weichwerden bzw. Färben nicht mehr direkt befallbar, da die Spaltöffnungen bereits verkorkt sind.
Für den Infektionsvorgang besteht eine konkrete Beziehung von Temperatur und Blattnässedauer, die als Temperatursumme (Produkt aus Temperatur und Blattnässedauer in Stunden) ausgedrückt werden kann. Für eine Infektion ist eine Temperatursumme (nach BLAESER) von mindestens 50 Gradstunden (bei älteren Sporangien >100 Gradstunden) notwendig. Je höher die Temperatur ist, desto kürzer kann die Blattnässedauer sein; massive Infektion und starke Ausbreitung setzt großtropfigen Regen mit starkem Wind voraus. Infektionen sind sowohl nachts als auch bei vollem Tageslicht möglich; optimale Vermehrungsbedingungen für den Pilz sind gegeben, wenn einem nächtlichen Ausbruch ein warmer Regentag folgt oder eine dichte Laubmasse erst am späten Vormittag abtrocknet. Inkubationszeit Die Zeitspanne zwischen dem Beginn der Infektion (Eindringen des Pilzfadens) bis zum Sichtbarwerden der ersten Befallszeichen an der Rebe, den Ölflecken, nennt man Inkubationszeit. Während dieser Zeitspanne, die je nach Temperatur in der Praxis rund 1−2 Wochen dauert, breiten sich die Pilzfäden zwischen den Blattzellen aus und entziehen über ihre Saugorgane den Zellen die notwendigen Nährstoffe. Weitgehend ihres Blattgrüns beraubte Zellverbände von 2–3 cm Durchmesser werden nach einigen Tagen durchscheinend gelblich grün (so genannte Ölflecken). Form, Größe und Erscheinungstermin der Ölflecken hängen von verschiedenen Faktoren ab: von der Witterung, der Rebsorte und vom Alter des Blattes. Die Inkubationszeit wird mit dem Inkubationskalender und der daraus abgeleitete Inkubationszeitfaktor-Tabelle bestimmt oder aus der grafischen Darstellung abgelesen. Peronosporaprognosemodelle verwenden zur Berechnung der Inkubationszeit diese Tabellen.
Beispiel für die Berechnung der Inkubationszeit mittels Inkubationsreifezeitfaktor (Quelle: G. HILL, Oppenheim)
Inkubationszeit in Tagen an jungen Blättern – ältere Blätter haben eine bis zu zweimal längere Inkubationszeit (nach MÜLLER)
Die Inkubationszeit kann sich bei ungünstigen Bedingungen beträchtlich verzögern - herrscht nach Ablauf der Inkubationszeit trockenes oder zu kaltes Wetter, so bleibt der Pilz im Inneren der Rebe und bricht erst hervor, wenn nachts die Reben nass sind und die Temperatur über 12,5° C bleibt. An jungen Blättern erscheint der Ölfleck früher, an älteren Blättern zeigen sich kleinere, eckige, von den Blattadern abgegrenzte Flecken (= Mosaikflecken). Ausbruch der Sommersporangien (Sporulation)
Aus dem auf der Blattoberseite sichtbaren Ölfleck erscheint - sobald die erforderlichen äußeren Bedingungen erfüllt sind - auf der Blattunterseite ein Pilzrasen. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Bildung der Sporangienträger und Sporangien (Sporenbehälter), dem so genannten Ausbruch (Sporulation) sind (nach BLAESER, u. a.):
Nach Ablauf der Inkubationszeit findet nicht automatisch der Ausbruch statt, sondern erst dann, wenn entsprechende Ausbruchbedingungen gegeben sind und eine Infektion findet erst wiederum dann statt, wenn auch dafür entsprechende Witterungsbedingungen vorliegen (Blattnässe, Temperatursumme). Bei günstigen Bedingungen entwickelt sich der Pilzrasen in 10–12 Stunden. Erst nach Differenzierung der Zoosporen im Innern der Sporangien sind sie infektionsfähig. Unter sehr trockenen Bedingungen kann zwischen dem Erscheinen der Ölflecken und dem des Pilzrasens eine unterschiedliche Zeitspanne liegen. Ölflecken, die lange Zeit (mehr als 10 Tage) keine günstigen Bedingungen finden, um den Pilzrasen zu entwickeln, verlieren allmählich an Vitalität. Bei feuchter Witterung hingegen bleiben sie sehr lange produktiv. Auch nach wiederholten, unmittelbar aufeinander folgenden Sporulationen behalten reife Ölflecken ein beachtliches Sporulationspotenzial. Folgt nach dem erfolgreichen Ausbruch eine längere Trockenheit, dann verlieren die Sporangien an Lebensfähigkeit. Hohe Temperaturen und niedrige Luftfeuchtigkeit verkürzen die Lebensdauer erheblich. Bei Temperaturen um 10–15° C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 70 %, bleiben die Sporangien am Pilzrasen ca. 10 Tage infektionsfähig. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto länger ist die Lebensdauer der Sporangien. Am Tag nach dem Ausbruch werden bereits nach 30 Minuten Zoosporen freigesetzt. Am nächsten Tag sind dafür bereits 80 Minuten und am 4. Tag werden die ersten Zoosporen erst nach drei Stunden entlassen. Ältere Sporangien benötigen wesentlich längere Blattnässezeiten, um Infektionen auslösen zu können (Temperatur x Blattnässe >100). Am 7. Tag werden erst nach einer 24 Stunden langen Blattnässeperiode infektionsfähige Zoosporen freigesetzt. Temperaturen über 30° C (mindestens 6 Stunden lang) töten fast alle gebildeten Sporangien ab. Das Pilzmyzel bleibt erhalten und kann neuerlich einen Pilzrasen bilden, wenn die entsprechenden Bedingungen für eine Sporulation gegeben sind. Peronospora kann sich nur unter äußerst günstigen Bedingungen schlagartig über eine größere Entfernung ausbreiten. In der Regel baut sich ein Befall nur stufenweise von einer Infektion zur nächsten auf, so dass die zunehmende Gefahr rechtzeitig erkannt werden kann.
Bei anhaltender warmer und feuchter Witterung kann sich die Krankheit sehr stark ausbreiten. Die Befallsstärke ist auch in hohem Maße vom Blattalter abhängig. Alte Blätter besitzen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen einen Peronosporabefall als junge Blätter. Bei Spätbefall beginnen die Blätter zu vertrocknen, ohne dass ein Ölfleck mit Pilzrasen sichtbar wird. Vorbeugende Maßnahmen
Die Anfälligkeit der Rebe gegen Peronosporabefall ist abhängig von
Chemische Maßnahmen Wo möglich sollen vor der Durchführung von chemischen Bekämpfungsmaßnahmen Warndiensteinrichtungen in Anspruch genommen werden – diese sind eine Hilfestellung bei der Durchführung von gezielten Behandlungen.
Mai – Anfang Juni
Niederschlagsarme Gebiete – geringer Befallsdruck
Niederschlagreiche Gebiete mit hohem Befallsdruck
In niederschlagsreichen Gebieten können Erstinfektionen schon frühzeitig auftreten und die Krankheitsentwicklung entscheidend beeinflussen (Warndiensthinweise beachten!). Deshalb sind in diesen Gebieten frühe chemische Behandlungen zu empfehlen. Bei starkem Triebwachstum sollten systemische Fungizide eingesetzt werden, damit der Neuzuwachs ausreichend geschützt ist.
Juni bis August
Mitte bis Ende August
Wirkungsdauer der Peronosporamittel
Je nach Vegetationszeit und Witterung beträgt die durchschnittliche Wirkungsdauer für vorbeugend und teilsystemisch wirkende Fungizide 10–14 Tage. Die Wirkungsdauer der systemischen Mittel ist produktabhängig sehr unterschiedlich (Hinweise der Mittelbeschreibung beachten). Der Spritzabstand sollte generell dem Infektionsdruck und dem Triebwachstum der Reben angepasst werden.
Prognose Peronospora-Warngeräte können theoretische Entwicklungsbedingungen des Pilzes anzeigen. Dadurch können Pflanzenschutzbehandlungen gezielt und damit sparsamer durchgeführt werden. Die Beziehungen zwischen Witterung und der Pilzentwicklung erlauben es, den Verlauf der Krankheit zu ermitteln. Elektronische Wetterstationen registrieren und verarbeiten diese Daten. Damit können Informationen über die Dauer der Inkubationszeit, voraussichtliche Ausbruchstermine und Infektionsbedingungen gewonnen werden. Für den Praktiker ist es unerlässlich, neben den Warnmeldungen auch seine eigenen Weingartenbeobachtungen in die Entscheidung zur Durchführung einer Bekämpfungsmaßnahme mit einzubeziehen. Bei der Durchführung von Behandlungsmaßnahmen sind die Zusatzwirkungen von Peronosporabekämpfungsmitteln (Botrytis, Roter Brenner, Phomopsis, Schwarzfäule) zu berücksichtigen. Der Einsatzzeitpunkt dieser Mittel gegen Roten Brenner und Phomopsis ist früher.
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