Grauschimmel (Graufäule)
Botrytis (Botrytis cinerea)
Botrytis cinerea ist ein allgegenwertiger Fäulnispilz, welcher alle grünen Rebteile befallen kann. Häufig werden die reifenden Trauben befallen. Je nach Befallszeitpunkt unterscheidet man zwischen verschiedenen Botrytisformen, welche teilweise gewünscht, toleriert oder als Sauerfäule unerwünscht ist. Früher Botrytisbefall ermöglicht auch das Auftreten von Sekundärpilzen.
Gescheinsbotrytis
Teile von Gescheinen werden braun, glasig, schrumpfen und vertrocknen später. Der verursachte Ertragsausfall ist bei mittelgutem Gescheinsansatz gering, da ein Großteil des Verlustes durch die verbleibenden Gescheine ausgeglichen wird.
Sauerfäule
Befall von unreifen Beeren (unter 10 °KMW, meist über Beerenverletzungen wie z. B. bei Sauerwurmbefall, Hagel). Je nach bereits erreichtem Mostgewicht sind die sauerfaulen Trauben für die Weingewinnung unverwertbar bis minderwertig. Eine Subform der Sauerfäule ist die Graufäule. An noch unreifen oder bereits reifenden Trauben entstehen bei feuchtwarmer Witterung bräunliche (bei Weißweinsorten) oder rötliche (bei Rotweinsorten) Beeren mit einem sich rasch ausbreitenden, dichten, mausgrauen Sporenrasen. Insbesondere bei kompakten Trauben breiten sich die Befallsherde rasch aus und die angesteckten Beeren faulen.
Edelfäule
Bei reifen (14-15 °KMW) Beeren kommt es bei trockenem Tageswetter, aber bei feucht-nebeligen Nächten, zu einem Botrytisbefall. Durch den Pilzbefall wird die Wasserverdunstung an den Trauben verstärkt. Es kommt zu einer Erhöhung des Zuckergehaltes und Veränderung der Geschmacksstoffe. Die Beeren färben sich braun, es ist fast kein Pilzrasen sichtbar. Der Befall ist mit großen Ertragsverlusten, aber hoher Qualitätssteigerung verbunden.
Treten im Herbst längere Nässeperioden auf, kann sich ein Botrytisbefall sehr nachteilig auswirken, da die Zuckeraufkonzentration nicht erfolgt. Weiters können in dieser Zeit verstärkt andere Fäulnispilze (wie z. B. Grünfäule, Essigfäule) auftreten, die sich auf die Weinqualität negativ auswirken.
Stielfäule
Braune, glasige feuchte Faulstellen am Traubenstiel oder -gerüst (Stielfäule) führen zu einem teilweisen oder vollständigen Welken der Trauben. Die Festigkeit des Stieles wird stark gemindert und die Traube fällt ab (Bodentrauben). Dadurch entstehen oft hohe Ertragsverluste (Sortenunterschiede sind gegeben).
- Überwinterung als Pilzmyzel im Rebholz, abgefallenem Laub und Schnittholz.
- Zur Keimung genügt eine hohe Luftfeuchtigkeit von 95 % über 24 Stunden (Temperaturbereich von 3-30° C) und anfangs für wenigsten 2 Stunden (dies ist unbedingt erforderlich) ein Wassertropfen oder Wasserfilm auf der Pflanzenoberfläche; für die Ausbildung und das Eindringen des Keimschlauches in das Wirtsgewebe reicht anschließend genügend hohe Luftfeuchtigkeit.
- Temperaturoptimum zwischen 20 und 23° C.
- Botrytis kann direkt über die Oberhaut (Epidermis) in die Reborgane eindringen. Verletzungen (z. B. durch Hagel, Vogelfraß, Sauerwurmschäden u. a.) sind aber optimale Infektionsstellen.
Bekämpfungsmaßnahmen (Beerenbefall)
Vorbeugende Maßnahmen
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Rechtzeitige Durchführung der aller Laubarbeiten.
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Verhinderung von Beerenverletzungen.
Chemische Maßnahmen
Blühende bis Traubenschluss
- Peronosporamitteln mit Zusatzwirkung gegen Botrytis.
- Botrytiziden knapp vor Traubenschluss (Juli).
August
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Blätter moderat aus der Traubenzone entfernen.
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Behandlung bei Weichwerden der Beeren mit einem Botrytizid.
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Wird die Gewinnung von Beerenauslesen angestrebt, ist eine Behandlung im August mit einem Botrytizid nicht zu empfehlen.
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Werden Botrytizide eingesetzt soll ein Wirkstoffwechsel eingehalten werden.
Quellen
- „Weinbau“, Karl Bauer und Mitarbeiter, 8. Auflage 2008, Österreichischer Agrarverlag, Wien, ISBN 978-3-7040-2284-4
- "Krankheiten, Schädlinge und Nützlinge im Weinbau", H. Reisenzein, F. Polesny, E. Höbaus; Österreichischer Agrarverlag, Wien, ISBN 978-370402319-3
Botrytis
