Schäden durch unsachgemäße Anwendung von Pflanzenschutzmittel und Blattdünger

Schäden durch Fungizide

Schwefel
Braune Korkflecke auf der Beerenhaut und Ätznekrosen auf den Blättern sind bei hoher Temperatur und Konzentration möglich.
Bei Spritzungen in die Blüte kann es mit hohen Aufwandmengen und Temperaturen zu verstärktem Durchrieseln der Gescheine kommen. Dieser Effekt ist heute eher gewünscht. Eine Schwefelbehandlung eignet sich aber nicht zur Traubenausdünnung.

Kupfer
Bei Spritzungen während einer feuchtkühleren Witterungsperiode kann es zu leichten Wuchsdepressionen, Ätznekrosen an Blättern und Beeren sowie dunkelrote bis schwarze Verfärbungen der Blätter mit anschließendem Einrollen kommen.

Strobilurine
Bei manchen Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Strobilurine kann es bei frühem Einsatz und bei hohen Dosen zu Blattaufhellungen jüngerer Blätter kommen.

Insektizide
Phosphorsäureestermittel können bei Einsatz während einer feucht-kühleren Witterungsperiode Punktnekrosen auf Blättern bzw. Blattaufhellungen und Aufwölbungen der Interkostalfelder verursachen.

Werden Phosphorsäureestermittel nach der Blüte bis ca. Erbsengröße der Beeren eingesetzt, können diese Berostungen verursachen. Dabei spielt die Rebsorte, das Entwicklungsstadium, die Temperatur und die Kombination mit anderen Pflanzenschutzmitteln eine Rolle. Die Schäden sind nur optisch und haben keine negativen Folgen.
berostung_d_psm_505px Berostungen auf Beeren - sind auf jener Seite zu finden von wo die Applikation erfolgte.

Schäden durch Herbizide

Ätzherbizide verursachen bei direkt getroffenen Rebblättern tropfenförmig vergilbte oder verätzte Flecken oder (bei starker Abdrift) sogar Welken und vollständiges Verdorren.
Triazin oder Diuron verursachen ein fleckenförmiges (chlorotisches) Vergilben der Blätter zwischen den Blattadern oder wie bei Diuron der Blattadern und eines schmalen Streifens der Blattspreite der unteren Blätter.

(Phenyl-)Harnstoff: Vergilbung der Blattnerven nach Aufnahme durch die Rebwurzeln (Deformationen).
Neue Abb.

sulfonylharnstoff505px Blattschädigung v. Sulfonylharnstoff (z. B.: Hoestar, Biathlon)

Phenoxyfettsäure: Zusammengeraffte, oft fächer- oder tütenförmige Blattspreiten mit weit geöffneten Stielbuchten und sehr scharfer, meist sogar krallenförmiger Blattzahnung (ähnlich der virösen Reisigkrankheit); gekrümmte Triebspitzen, gestauchte Triebachsen, stark eingerollte Ranken und Durchrieseln bzw. Abwerfen ganzer Trauben nach Direkt- oder Thermikabdrift.


rapir_v4b691_505px Blattschädigung durch Direktabdrift v. Amitrol + Diuron (z. B. : Rapir WG) 

Fluorchloridone (z. B. Racer): Unregelmäßige Blattaufhellungen bis vollkommenes Hellgelbwerden der Blätter vom Rand her - meist wächst sich der Schaden relativ gut wieder aus.

Wuchsstoffe: Verursachen eine vollkommene Veränderung der Blattform und Blattzähnung der jüngsten Blätter. Die Gescheine verrieseln mehr oder weniger. Bei starker Abdrift kommt es zu einem raschen Welkwerden bzw. Verdorren und zum Absterben der Blätter.


Glyphosat Glufosinate (z. B. Roundup): Direkt getroffene Blätter reagieren mit tropfenförmig vergilbten oder verätzten Flecken bis vollständigem Verdorren (abhängig von der Wirkstoffmenge). Der Wirkstoff wird bei einer Spätsommeranwendung über die Blätter eingelagert und verursacht im Frühjahr Austriebsschäden. Die Blätter sind beim Austrieb verunstaltet (Blattmissbildung) bis mehr oder weniger eingerollt.

glufosinat_2_505px Folgeschaden durch Glyphosat Glufosinate-Einsatz im Spätsommer des Vorjahres

glufosinat_3_505px Austriebsschädigung durch Glyphosat durch unsachgemäßen Einsatz im Spätsommer des Vorjahres

Glufosinat (z. B.: Herbatox B, Basta): verursacht gelbe bis braune Aufhellungen, Verbrennungen, starke Nekrosen (werden löchrig); keine Schäden am Geschein bzw. auf den nachkommenden Blättern; keine sonstige Beeinflussung des Rebstockes.


glufosinat_v2d860_505px Blattschädigung v. Glufosinat - Direktabdrift

Oxyfluorfen (z. B.: "Goal 2E"): Blätter rollen sich ein; kleine Nekrosen auf den Blättern; Verschorfungen am Trieb und Geschein; gestauchter langsamer Wuchs, Triebspitzen und Ranken sterben ab; nachtreibende Blätter sind gelb bzw. hellgrün; ältere Blatter haben eine braune Sprenkelung.

goal_v3b720_505px Blattschaden (altes Blatt) v. Oxyfluorfen

Blattdünger

Durch zu hohe Konzentration oder Einsatz bei zu hohen Tagestemperaturen kann es zu Verätzungen (Verbrennungen) von Blättern kommen. Die Mischbarkeit mit Pflanzenschutzmitteln sind zu beachten.

Blattnekrosen (Blattverbrennungen) verursacht durch unsachgemäßen Blattdüngereinsatz
Foto: Karl Bauer, Krems

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Foto: Karl Bauer, Krems

Quelle: „Weinbau“, Karl Bauer und Mitarbeiter, 8. Auflage 2008, Österreichischer Agrarverlag, Wien, ISBN 978-3-7040-2284-4