Chlorose - Gelbsucht

Bei der Chlorose handelt es sich um einen Ursachen- bzw. Faktorenkomplex, an dem der Boden, die Witterung, die Kulturmaßnahmen und die Rebsorte/Unterlage beteiligt sind (siehe „Chloroseneigung der Rebsorten“ und „Kalkverträglichkeit der Unterlagsreben“).

Unter bestimmten Bedingungen kommt es zu einer Überführung des pflanzenverfügbaren Eisens zu einer nicht pflanzenverfügbaren (-verwertbaren) Form bzw. zu einer Hemmung der Umwandlung von nicht pflanzenverfügbarem zu pflanzenverfügbarem Eisen. Eine mangelnde Verfügbarkeit von Eisen im Boden und/oder eine mangelnde Verwertbarkeit von Eisen in der Pflanze führt zu Stoffwechselstörungen, welche eine Hemmung der Synthese von Chloropyll bzw. einen Chlorophyllabbau und somit die Chlorose zur Folge hat.

Im Winter zeigen die von Chlorose geschädigten Rebstöcke kurze, dünne Triebe mit schlechter Holzreife (kann auch andere Ursachen haben z. B. Trockenheit, Stickstoffmangel).

Ab cirka Mitte Mai bis zum Vegetationsende zeigen sich chlorotische Rebstöcke durch gelbe Färbung (blassgrün bis gelblich) der Rebblätter von der Triebspitze beginnend. Später verfärben sich auch Geiztriebblätter. Die Blattadern bleiben mit schmalen Streifen längere Zeit grün; bei starkem Auftreten kommt es zur totalen Vergilbung und zu weiß gefärbten Geiztriebblättern. Gelbe Blätter sterben vom Blattrand her ab, Gescheine verrieseln mehr oder weniger stark. Wenn Stöcke über mehrere Jahre an Chlorose leiden, kommt es zu Wuchs- und Ertragsdepression, letztlich sterben sie ab.

Blattvergilbung beginnend von der Triebspitze

vergilbtes Blatt mit grünen Blattadern

extremer Chloroseschaden

starke Chloroseschädigung bei Blauer Portugieser

chlorotische Blätter beginnen abzusterben

Man kann verschiedene Chloroseformen unterscheiden:

Kalkchlorose:

Ist am am häufigsten auf Kalkböden zu finden und man spricht daher von Kalkchlorose. Die physiologische Ursache der durch Kalk hervorgerufenen chlorotischen Erscheinungen ist im hohen pH-Wert und in der erhöhten Konzentration an Hydrogenkarbonat zu suchen. In diesen Fällen liegt das Eisen in schwerlöslicher Form vor. Umgekehrt können auch auf sauren oder zur Versauerung neigenden Böden physiologische Störungen im Eisenhaushalt der Reben hervorgerufen werden.

Schlechtwetterchlorose

Ungünstige Witterungsverhältnisse sind Auslöser der Chlorose. Man spricht von „Kältechlorose“, „Nässechlorose“ und „Trockenheitschlorose“. Bei Kälterückfällen im Frühjahr (rascher Temperaturrückgang gekoppelt mit kühlen Niederschlägen) kann Chlorose eintreten. In den betroffenen Anlagen können die Erträge völlig ausbleiben. Aber auch allzu große Trockenheit kann Chlorose der Reben bedingen. Durch Nässe dagegen dürfte vor allem der Gasaustausch im Boden verhindert werden, was zu CO2-Stau und erhöhter Konzentration von HCO-3 führen kann. Auch übermäßige Bewässerung kann Chlorose verursachen.

Verdichtungschlorose

Wenn die Böden in einem zu nassen Zustand bearbeitet oder befahren werden, kommt es immer wieder zu starken Bodenverdichtungen. Wachstumsstörungen der Reben und Chloroseerscheinungen auf schweren Böden sind die Folge.

Schwächechlorose:

Erschöpfung und Überbelastung der Reben durch zu langen Anschnitt vermindern die Reservestoffe im Holz bzw. in der Wurzel und können als eine der Chloroseursachen betrachtet werden.

Weitere chlorosefördernde Faktoren:

  • Geschädigtes Wurzelsystem auf Grund ungünstiger Bodenbedingungen, Nematodenbefall oder Wurzelfäule
  • Nährstoffdisharmonie durch zu hohe Mengen an bestimmten Makroelementen (Calcium, Phosphor, Kalium, Stickstoff) oder Spurenelementen (Kupfer, Mangan, Zink, Kobalt, Nickel, Chrom)
  • Hohe Stallmistgaben, die in den Boden tief eingearbeitet werden, können die Chlorose auslösen
  • Stroheinbringung im Spätwinter (kalter Boden kann sich durch die Abdeckung nicht so rasch erwärmen)

Vorbeugende Maßnahmen gegen Chlorose

  • Richtige Sorten- und Unterlagenwahl
  • Entsprechende Bodenvorbereitung vor der Pflanzung einer Neuanlage
  • Humusschonende Bodenpflege
  • Regelmäßige organische Düngung (nur oberflächliche Ausbringung und Einarbeitung)
  • Bodenbegrünung (sofern es die Bodenwasser- bzw. Niederschlagsverhältnisse erlauben)
  • Stocküberlastungen vermeiden
  • Harmonische Mineraldüngung
  • Vorbeugende Spritzungen auf chlorosegefährdeten Standorten mit eisenhältigen Blattvolldüngern

Direkte Chlorosebekämpfung

  • Verbesserung der Bodenstruktur
  • Bodenverdichtungen mit geeigneten Untergrundlockerern aufbrechen
  • Biologische Festigung der mechanischen Tiefenlockerung
  • Bodenschonende Bodenbearbeitung, damit die Rebwurzelentwicklung nicht gestört wird

Da die Auslösung der Chlorose durch die Nichtverfügbarkeit von Eisen bedingt ist, soll neben den anderen notwendigen Maßnahmen verfügbares Eisen in den Boden ausgebracht werden. Eisenchelate enthalten organisch gebundenes Eisen und werden im Boden nur langsam inaktiviert. Sie verlieren ihre Wirkung erst in zwei bis drei Jahren. Diese Maßnahme bingt in den meisten Fällen gute Erfolge in der Begrünung der Blätter, wenn mit der Einbringung des Eisenschelates rechtzeitig begonnen wird. Umso stärker die Vergilbung der Blätter schon vorangeschritten ist, umso geringer sind die Erfolge.

Eisenhältige Blattdünger können eine rasche Begrünung von nur leicht chlorotischen Blättern herbeiführen. Dafür sind mehrere Blattdüngerspritzungen erfoderlich.

Diese Maßnahmen können bei einer Schlechtwetterchlorose, bei Stocküberlastungen oder einer Nährstoffdisharmonie Erfolge bringen! Bei ungünstigen Bodenverhältnissen können diese Maßnahmen nur eine Unterstützung zur Behebung der Chlorose sein!

 

Quellen: „Weinbau“, Karl Bauer und Mitarbeiter, 8. Auflage 2008, Österreichischer Agrarverlag, Wien, ISBN 978-3-7040-2284-4

"Krenkheiten, Schädlinge und Nützlinge im Weinbau", H. Reisenzein, F. Polesny, E. Höbaus; Österreichischer Agrarverlag, Wien, ISBN 978-370402319-3